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Politischer Populismus in Wien

Für alle, die mit moderner Kunst bisher nicht übermäßig viel anfangen konnten, mich eingeschlossen, habe ich mich heute in die Eiseskälte gewagt und bin zur Kunsthalle im Museumsquartier gestapft. Denn auch als Student schadet es nicht, seinen Horizont zu erweitern und sich beispielsweise der modernen Kunst hingeben.

Ich hatte zwar keine bestimmten Erwartungen an die Ausstellung, aber den einen oder anderen Gedanken habe ich mir natürlich schon gemacht. Politischen Populismus habe ich primär mit einem rappenden HC Strache oder einem auf Facebook postenden Barack Obama assoziiert. Laut Definition des Politik-Lexikons ist Populismus, so zu tun, als ob man wüsste, was für die gesamte Gesellschaft am besten sei. Außerdem bedeutet Populismus, einfache Lösungen anzubieten. Das klingt meistens recht gut, ist aber sehr schwer umzusetzen. Deshalb scheitern populistische Parteien fast immer, wenn sie Regierungsverantwortung übernehmen müssen.

Völlig unerwartet

Ich habe mir erwartet, mein mediales Wissen über politischen Populismus und alles, was man sich darunter vorstellen kann, durch den Ausstellungsbesuch ein wenig auszubauen. Stattdessen habe ich etwas völlig neues erfahren, denn in der Kunst sind der Interpretation scheinbar keine Grenzen gesetzt.

Die Ausstellung wird auf zwei Ebenen präsentiert. Begibt man sich in den ersten Stock, wird über eine Collage die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf die Gegenwart veranschaulicht und aufgearbeitet. Die „Mikro-und Makroansicht“, also ein großes Motiv, das aus vielen kleinen besteht, wobei jedes einzelne wiederum eine eigene Interpretation zulässt, macht einiges her, wie man als Laie sagen darf.

Neonlicht und Liegestühle

Ein Absolutes Highlight der Ausstellung ist ein kreativ – Verzeihung – künstlerisch gestalteter Raum. Tatsächlich fühlt es sich ein bisschen an, als wäre man in der Grellen Forelle gelandet und beobachtet zu Techno tanzende Computerspiel-Figuren. Theoretisch schalldicht und ziemlich finster stehen in einem Raster aus Neonlicht, Liegestühle vor einer großen Leinwand. Der darauf abgespielte 23-minütige Film ist genauso verwirrend wie professionell erstellt. Auf dem Liegestuhl liegend, erschließt sich langsam, worauf es Hito Steyerl anlegt: Eine Auseinandersetzung mit der herrschenden Überwachung, einer völligen Transparenz eines Jeden und natürlich der NSA. Die Künstlerin erschafft eine virtuelle Realität, gleich einem Computerspiel, indem die totale Ökonomisierung Widerstand erfährt. Und zwar durch die Factory of Sun, deren treibende Kraft die Immaterialität des Lichtes ist.

Die Aussage eines inszenierten „Vertreters der Deutschen Bank“, die sich mir eingeprägt hat: „Ich bewege den Mund, ihr hört zu. Das ist Demokratie, so funktioniert das!“

Fazit

Die Ausstellung umfasst viele interessante Installationen, Filme und kreativ umgesetzte Aufarbeitungen diverser Themen. Auch wenn sich manchmal für Kunst-Anfänger der Gedanke hinter einem Werk oder einem Bild verborgen bleibt, ist „Politischer Populismus“ jedenfalls eine sehenswerte Ausstellung. Und gerade moderne Kunst ist ja ohnehin oft subjektive Interpretationssache.

Hard Facts

Kunsthalle Wien Museumsquartier
Der Eintritt ist frei und die Ausstellung noch bis 7. Februar zu besichtigen.
Öffnungszeiten: Täglich von 10:00 – 19:00 Uhr & Donnerstag von 10:00 – 21:00 Uhr




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